Innehalten – Atmen – Denken – Handeln

STOP.
BREATHE.
THINK.
ACT.

Als ich die Ausbildung zum SCUBA Rescue Diver auf Perhentian Island (Malaysia) absolvierte, wurde der Hinweis oftmals wiederholt: »Stop. Breathe. Think. Act.« Immer wieder hörte ich diese Anweisung. Wenn Angst dein Denken blockiert, dann ist auch der Körper wie gelähmt. Die Wahrnehmung ist eingeschränkt, du hältst die Luft und steigst in kurzer Zeit um einige Meter in Richtung Wasseroberfläche. Du vergisst die notwendigen Routinechecks und vielleicht sogar den Dekostopp. Der Tunnelblick verhindert, dass du deine Situation klar erkennst und die notwendigen Schritte setzt. Stattdessen kommt Panik auf. Und Panik setzt dein Denken völlig außer Kraft. Du reagierst blind auf scheinbar äußerliche Gefahren, die überhaupt nicht existieren und übersiehst die höchste Gefahr, nämlich jene, die durch dein eigenes Verhalten entsteht. Wenn wir uns unter Wasser befinden, kann dies lebensgefährlich sein. Und deshalb:

STOP the fear.
BREATHE deeply.
THINK clearly.
ACT decisively.


Angst verhindert Leben

An Land hingegen schleicht sich die Angst auf leisen Sohlen in unser Fühlen und Denken, kriecht uns unter die Haut und verhindert, dass wir frei atmen. Atmen ermöglicht Leben – Angst verhindert Leben. Durch das Umschalten in den Überlebensmodus (»survival mode«) verlieren wir die unseren Humor und unsere Lebenslust. Wir denken in Kategorien von Schwarz und Weiß, Gut und Böse, verzweifeln an der Unfähigkeit wirklich tief zu trauern und herzhaft zu lachen, weil wir den gepanzerten Schild nicht sprengen können, weil wir nicht wagen, die Mauern um uns herum nicht abzutragen. Der Blickwinkel über diese Mauern hinweg wird schwieriger mit jedem Tag, einerseits durch Gewohnheit und Identifikation mit dem eigenen Leiden, andererseits durch die Einbildung, dass eine alternative Sichtweise naiv sei. Doch »paranoid« und »naiv« sind extreme Anschauungsformen. Es kommt immer darauf an, ob die eigene Haltung zu einer »fight/flight/freeze«-Reaktion führt und ob jedes Angebot ohne nachzudenken angenommen wird, bloß weil es meine Situation kurzfristig zu bessern verspricht. In dieser Hinsicht bedarf es gründlicher Überlegungen, ob und wie die Corona-Affäre ihre Spuren in Form eines Systems von Überwachen und Strafen hinterlässt, das die Ausübung von unverhältnismäßig rigiden Maßnahmen und Verordnungen für normal erachtet und somit (natürlich »schrittweise« und stets »vorübergehend«) zur allgemein geltenden Norm erklärt wird.

Unterschiedliche Interpretationen der Geschichte, gelesen und übernommen von verschiedenen Seiten, führen zu unterschiedlichen Weltbildern und Überzeugungen. Da ist Steven Pinkers Enlightenment Now, ein Loblied auf den Weg, den die Zivilisation bisher genommen hat. Da ist andererseits Fabian Scheidlers Das Ende der Megamaschine, wo beschrieben wird, wie viel Zerstörung und Elend der bisherige Weg der Zivilisation verursacht hat. Welche Perspektive eingenommen und welche Geschichte erzählt wird, entscheidet über zukünftige Entscheidungen.

In der Flimmerkiste

In der heutigen Zeit ist eine Langzeitperspektive mit Augenmerk auf internationale Entwicklungen und Verflechtungen von Politik, Wirtschaft, Medizin, Industrie und Technologie wichtiger als je zuvor. Gerade das wird durch die allgegenwärtige „staatspolitisch verantwortliche“ Berichterstattung über Corona überlagert. Meines Erachtens haben Massenmedien nicht die Aufgabe, die Bevölkerung zu informieren. Vielmehr besteht ihr Auftrag darin, die Vergabe der Megaphone so zu organisieren, dass in den Köpfen der Menschen ein bestimmtes Bild der gesellschaftlichen Realität geschaffen wird. Daher erscheint es unabdingbar, die von großen Sendeeinrichtungen kolportierten (und teils korrumpierten) »Nachrichten« nicht ungefiltert und unhinterfragt hinzunehmen, sondern Zusammenhänge zu sehen, wo diese übergangen oder gar geleugnet werden. Ein aktuelles Beispiel: Die für heute, Freitag, 24. April 2020 geplante und anfangs bewilligte Demonstration der Initiative für evidenzbasierte Corona-Informationen (ICI) wurde nun doch abgesagt, weil die Polizei »schätzt, dass mehr als die angemeldeten Teilnehmer kommen«. Sollten sich trotz kurzfristiger (und verfassungswidriger) Absage Personen um 15 Uhr am Albertinaplatz sammeln, werden die Einsatzkräfte »verhältnismäßig einschreiten«. Amtsdeutsch im Zeichen struktureller Gewalt par excellence…

oisdaun buaschn & madln – auf’Passn!

Auf der Straße

Alles was ich sagen kann: Lass dich nicht von der Angst leiten. Lass nicht die Gewohnheit dein Tun beherrschen. Bleib nicht in der Reaktion auf scheinbare Umstände befangen. Wenn in der U-Bahn auf je vier Sitzplätze eine Person kommt, dann nimm nicht wie üblich das nächste »Abteil«. Sei kein Lemming. Mach den Anfang. Einer muss beginnen, sich zu anderen Menschen hin zu bewegen. Bewusst auf Nähe (Metall-Yin) achten und zugleich auf die Angst (Wasser-Yin) achten. Als ich gestern einen Menschen am Boden liegen sah und aus dem Auto stieg um ihm zu helfen, war es für mich unerträglich zu sehen, dass er vom Rest der anwesenden Menschen ignoriert wurde. Niemand sonst stand von seinem Platz auf und ging zu ihm, um ihm aufzuhelfen. Als er stand, merkte ich, dass er betrunken war. Er bedankte sich und sagte, er habe zwei gebrochene Rippen.

Im Outback

Ich erinnere mich an eine brenzlige Situation im australischen Outback. Wir schreiben das Jahr 2003. Mein Bruder und ich sind auf einem Roadtrip unterwegs durch Queensland. Vielleicht war es auch vorher, auf dem Weg von Coober Pedy nach Alice Springs, ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls ist es heiß, die Sonne brennt vom Himmel. Die Luft ist trocken und staubig. Ich entschließe mich spontan, einem trail zu folgen, der an einem kleinen Fluss entlang führt. Der Verlauf des Pfades ist durch Steine mit weißen Punkten markiert. Ich biege nach rechts ab, gehe eine halbe Minute und schaue mich nach dem nächsten weißen Punkt um. Kein weißer Punkt. Ich drehe mich in die Richtung, aus der ich gekommen bin. Gehe ein Stück zurück. Doch finde auch hier keine Markierung. Kurze Panik. Sehr leise, nur ein Flüstern. Erstmal tief durchatmen. Ich drehe mich um meine eigene Achse und suche mit periphärem Blick die nähere Umgebung ab. Nichts. Kein Zeichen, das mich aus dem Dickicht wieder herausführt. Ich trage Sandalen, eine kurze Hose, und ich habe ein Handtuch. Kein Wasser. Im Rückblick ist es spannend zu sehen, dass mein Körper/Gehirn zuallererst nach Wasser fragte, vorausschauend. Obwohl ich im Augenblick (noch) keinen Durst hatte. Vor dem nächsten Schritt erwäge ich meine Optionen. »Ein Hügel«, fiel mir ein. »Vielleicht kann ich die Richtung erspähen, in der der Parkplatz liegt, wo mein Bruder beim Auto wartet«. Auch wenn ich nicht wirklich an diese Lösung glaube, ich muss etwas tun, das ich selbst aktiv beschließe! Also bewege ich mich langsam zum höchsten Punkt, den ich von meiner Position aus erkenne. Alles, was mir begegnet, erscheint mir in einem außergewöhnlichen Licht. Alles ist bedeutungsschwanger. Mein Bewusstsein aufgeladen mit adrenalininduzierter Wachsamkeit. Panik. Die Farben der Natur strahlen heller. Ein Baum wird zu einem Totempfahl. Ein ovaler Stein zu einer Art Stele. Ich erreiche den Hügel, doch er ist bei weitem nicht hoch genug über der Ebene. Alles was ich sehe sind Bäume, Gestrüpp, Sand und den weiten gleißenden Himmel über mir. Panik. Ich schließe die Augen. Überlege den nächsten Schritt, und da sehe ich plötzlich ein Rinnsal in etwa 50 Metern Entfernung. Ich gehe hin um daraus zu trinken. Entschließe mich als ich dort ankomme dann doch dazu, nur die Lippen zu benetzen und einen kleinen Schluck zu nehmen. Ich sitze kurz da, wasche mein Gesicht, und vergegenwärtige mir meine scheinbar aussichtslose Situation. Panik. Augen schließen. Durchatmen. Denk nach. Und da fällt mir die Methode ein, die ich während meiner Taucherausbildung gelernt habe: Um jemanden unter Wasser zu finden, wähle einen Punkt und gehe von dort aus in konzentrischen Kreisen nach außen.

So finde ich schließlich meinen Weg zu den markierten Steinen zurück

Ich gehe los, nun schon überzeugter als vorher, dass diese Strategie erfolgreich sein wird. Trotzdem taucht im Intervall von 2-3 Minuten regelmäßig Panik auf! Ich zwinge mich, zehn Schritte in eine Richtung zu gehen, 90° Wendung nach rechts, 10 Schritte, 90° nach rechts, 20 Schritte, 90° nach rechts. Panik. Egal. Just do it! Halt dich an den Plan. 20 Schritte. 90° nach rechts. 30 Schritte. 90°. 30 Schritte. … … und nach einer gefühlten Ewigkeit, auf der Uhr nach etwa einer Stunde, finde ich eine weiße Markierung am Boden. Und bin wiedergeboren. Ich sehe einen Mann auf einem Felsen sitzen und rufe ihm erleichtert zu: »Oh man, am I happy to see you!« Er erzählt mir in der Folge, dass ich nicht der Erste und vermutlich auch nicht der Letzte sei, der sich in dieser Gegend verirrt hätte. Mein Bruder ist heilfroh, als ich nach drei Stunden wieder beim Parkplatz ankomme. Ich auch… ich auch!


Lesetipp

Gerald Hüther beschreibt in seinem wirklich lesenswerten Buch Biologie der Angst, wie aus neurobiologischer Sicht die Phänomene Stress und Angst zustande kommen, wozu sie auftauchen, und wie wir mit ihnen auf sinnvolle Weise umgehen. Für all diejenigen, die einen Mundschutz anlegen, auch wenn sie allein mit dem Auto unterwegs sind: Pflichtlektüre.

Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen,
sondern die Vorstellungen, Urteile und Meinungen,
die wir von den Dingen haben.

EPIKTET (50-138)

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