Preisgestaltung

Eines Tages, als Nasreddin die Verantwortung für das örtliche Teehaus oblag, kam der König mit seinem Gefolge vorbei. Sie hatten in der Nähe gejagt und wollten nun frühstücken.
„Hast du Wachteleier?“, fragte der König.
„Ich bin sicher, ich werde welche auftreiben“, antwortete Nasreddin.
Der König bestellte ein Omelette aus einem Dutzend Wachteleiern, und Nasreddin eilte davon, um Wachteleier zu suchen. Nachdem der König und sein Gefolge gespeist hatten, verlangte Nasreddin hundert Goldmünzen von ihnen.
Der König war verwirrt. „Sind Wachteleier in diesem Teil des Landes so selten?“
„Nicht die Wachteleier sind hier selten“, antwortete Nasreddin, „sondern die Besuche von Königen.“

David Graeber: Schulden. Die ersten 5000 Jahre.

Die Motivation

Wer die Geschichten von Mullah Nasreddin kennt, weiß, dass sie im Scherz gemeint sind – und zugleich tiefe Weisheit vermitteln. Oft geht es um die Armut der Reichen und den Reichtum der Armen. Nasreddin verhandelt hart mit dem König, um Spielraum für Großzügigkeit gegenüber ärmeren Bevölkerungsgruppen zu gewinnen. Auf ähnliche Weise versuche ich zu differenzieren. Ich stelle meine Dienste zur Verfügung, doch nicht jede Person ist imstande, das Gleiche zu bezahlen. Und das muss auch nicht sein.

Dass wir heutzutage Geld brauchen, um Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Bezahlung dient einerseits dazu, die Aufwandskosten zu decken und für den Lebensunterhalt zu sorgen. Doch die Begleichung der Schuld ist nicht alles.

Darüber hinaus ist Geben auch stets ein Zeichen der Wertschätzung. Wir entscheiden täglich, welche Unternehmen und Projekte, welche Personen und Ideen wir finanziell unterstützen.

Es zeigt sich immer wieder, dass Menschen gerne freiwillig geben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diejenigen, die am wenigsten haben, oft am großzügigsten geben.

Wenn uns etwas besonders gut tut und wir die dahinter liegende Absicht schätzen, dann verwandelt sich der schnöde Mammon in good will money.

Eine faire Bezahlung trägt dazu bei, dass wir beide zufrieden sind. Deshalb bin ich im Laufe der Jahre mehr und mehr davon abgekommen, eine Preisliste zu erstellen. Stattdessen biete ich zur Orientierung bestimmte Richtwerte an, die sich nach dem individuellen Nettoeinkommen richten. Auf diese Weise kommen auch Studenten, Alleinerzieherinnen, Arbeitslose und Menschen mit geringem Einkommen in den Genuss einer Behandlung. Das liegt mir besonders am Herzen. Denn durch eine rigide Preispolitik werden allzu oft bestimmte Personengruppen ausgeschlossen. Wie hoch die in Zahlen gegossene Wertschätzung auch sein mag: da es keinen fix vereinbarten Preis gibt, haben sowohl Menschen mit einem überdurchschnittlich hohen Einkommen als auch Menschen mit einem geringen oder keinem Einkommen auf diese Art & Weise die Chance, ihrer Großzügigkeit und Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen.

Zur Orientierung

Das Konzept der Selbsteinschätzung wird bereits in einigen Geschäftsbranchen angewandt. Es kommt u.a. in der Therapie, Musikindustrie, Gastronomie zum Einsatz. Inspiriert hat mich zu diesem Schritt die buddhistische Praxis des freiwilligen Gebens (Dāna) sowie der Gründer des Netzwerks für gewaltfreie Kommunikation Marshall Rosenberg.

Marshall Rosenberg (1934-2015) lehrte die Sprache des Lebens
Monatliches Einkommen (netto)Richtwert (4-5%)
… bis € 1.500€ 60-70
… bis € 2.000€ 70-85
ab € 2.000 …€ 85-100
-> Selbsteinschätzung ->Hat dir die Behandlung geholfen?
Wie viel ist es dir persönlich wert?
Wieviel Dāna möchtest du geben?

Fragen?

Tauchen bezüglich der Bezahlung in deiner konkreten Situation Fragen auf? In diesem Fall stehe ich dir natürlich gerne zur Verfügung. Ebenso bei Fragen bezüglich der Bedeutung von Dāna und zu meiner Motivation & Inspiration, diese hierzulande eher ungewöhnliche Form der gestaffelten Preisgestaltung zu wählen.


Bitte sende mir dein Anliegen per Kontaktformular oder verwende unten angeführte Kontaktdaten.


PRAXIS ERDMITTE

Mag. Michael »Kimo« Weiss
Arnethgasse 62/3
1160 Wien

+43 677 619 49 648
touchforpeace@posteo.net

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